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Ich bin immer auf der Suche nach Literatur, die jungen Menschen Lust auf's Lesen macht!
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Dienstag, 11. November 2014

Das zweite Leben es Cassiel Roadnight


Jenny Valentine, dtv 2011


Quelle: www.dtv.de


In einer Notunterkunft in London wird ein obdachloser Teenager als Cassiel Roadnight identifiziert. Dieser ist seit beinahe zwei Jahren abgängig - weggelaufen, heißt es. Dass der Jugendliche in der Unterkunft gar nicht Cassiel ist, glaubt man ihm in der Euphorie nicht. Zu stark ist die Ähnlichkeit mit dem Foto in der Vermisstendatei. Man redet dem Betroffenen also gut zu, er brauche keine Angst zu haben, er könne den Betreuern vertrauen. Schließlich gewinnt der Gedanke an eine sich sorgende Familie, in die er "zurückkehren" könnte, immer mehr an Attraktivität. Eine richtige Familie hatte der Ich-Erzähler, der immer nur Chap genannt wurde, noch nie. Cassiels Lebens zu "stehlen" erscheint ihm plötzlich praktisch.









Ganz so einfach ist die Integration dann aber nicht. Fragen sollen beantwortet, Personen wiedererkannt werden. Zudem scheint Cassiels Mutter ein Drogen- oder Alkoholproblem zu haben und Cassiel selbst dürfte nicht gerade der netteste Sohn und Bruder gewesen sein. Zudem tun sich Geheimnisse auf, die Chap Rätsel aufgeben.

Das zweite Leben des Cassiel Roadnight ist ein packender Jugendroman, der den Leser in eine Situation mitnimmt, die einem selbst völlig neu ist. Wie täuscht man Familienmitgliedern vor, mit ihnen groß geworden zu sein? Wie umgeht man die Frage, warum man verschwunden ist? Und vor allem: Wie geht man damit um, dass man den wahren Grund des Verschwindens gar nicht kennt?

Auf dem Buchmarkt hat der Thriller ab 12 Jahren schon bei seinem Erscheinen Eindruck gemacht. So findet er sich 2011 nicht nur auf der Liste der "besten 7 Bücher für Jugendliche" des Deutschlandfunks, sondern ist im November Jugendbuch des Monats der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur. 2012 steht Cassiel Roadnight auch auf der Empfehlungsliste für den Katholischen Kinder- und Jugendliteraturpreis.

Für Lehrer gibt es im dtv-Lehrerportal auch ein Unterrichtsmodell für die 8. und 9. (in Österreich 4. und 5.) Klasse, doch mit der zentralen Frage der Identität sowie ethischen Fragestellungen, die sich aus dem Handlungsverlauf ergeben, werden auch ältere Jugendliche gut mit dem Roman arbeiten können.

Mittwoch, 13. August 2014

Erebos


 Ursula Poznanski, Loewe Verlag 2010


Quelle: www.loewe-verlag.de




"Erebos ist ein Spiel.
Es beobachtet dich,
es spricht mit dir,
es belohnt dich,
es prüft dich,
es droht dir.

Erebos hat ein Ziel:
Es will töten."

(Klappentext)









An der Schule des Teenagers Nick Dunmore geht Rätselhaftes vor sich. Sein Freund Colin ist plötzlich kaum noch zu erreichen, versäumt den Unterricht und das Basketball-Training, reagiert abweisend auf Nick und ist verdächtig unterwürfig den eigentlichen Außenseitern gegenüber. Und Colin ist nicht der einzige Schüler, der sich so verhält. Dazu kommt, dass regelmäßig quadratische Päckchen - CDs oder DVDs - unter den Jugendlichen weitergegeben werden, über die nicht gesprochen wird. Diese Geheimnistuerei stößt Nick sauer auf ... bis er selbst ein solches Päckchen angeboten bekommt. Erebos.

Gemeinsam mit Nick und seinem Charakter Sarius taucht der Leser ein in die Welt von Erebos, einem Fantasy-Rollenspiel, das die Spieler sofort in seinen Bann zieht. Das Besondere daran: Das Spiel selbst kommuniziert durch die Figur eines unheimlichen Boten mit Nick und erteilt ihm Aufträge, die über die fiktive Welt hinausgehen. Die Logik der Aufträge ist dem Teenager dabei meist nicht klar: Ein geheimnisvolles Objekt von A nach B transportieren, einen völlig Fremden fotografieren, ... Doch je länger das Spiel im Umlauf ist, umso fragwürdigere Dinge spielen sich in Nicks Schule ab und umso mehr verlangt der Bote.

Die österreichische Jugendbuchautorin Ursula Poznanski hat in ihrem Erstlingswerk eine Story erschaffen, in die man als Leser geradezu hineinfällt. Die fantastische Welt von Erebos, die man über Nick betritt und in der man Sarius' Abenteuer miterlebt, trägt dazu maßgeblich bei. Auch für Nicht-Spieler wird die Faszination, die Nick und seine Mitschüler in ihren Bann zieht, plötzlich nachvollziehbar. Unwillkürlich stellt man sich selbst die Frage: Was würde ich tun, um im Spiel zu bleiben?

Auf fast 500 Seiten reißt die Spannung nicht ab, bis zum Schluss kann dieser Roman überraschen. Nicht ohne Grund ist Erebos derzeit eines der beliebtesten Bücher unter Schülern. Potentielle Klassenlektüre? Ich würde davon abraten, den Schülern das Buch eher für die Privatlektüre empfehlen. Dann wird es sich - wie das Spiel - ganz von selbst verbreiten.