Über mich

Ich bin immer auf der Suche nach Literatur, die jungen Menschen Lust auf's Lesen macht!

Dienstag, 25. November 2014

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

John Green (Hanser 2012)

Gerade hab ich eine unveröffentlichte Rezension vom August gefunden ... Meine wunderbare Seelektüre! Die ist zwar nicht neu, aber vorenthalten will ich sie auf keinen Fall:



Quelle: www.hanser-literaturverlage.de



In John Greens 2012 erschienenen Bestseller Das Schicksal ist ein mieser Verräter begleitet der Leser die 16-jährige Hazel in ihrem Alltag als krebskranker Teenager. Da ihr Schilddrüsenkrebs in die Lunge metastasiert, hat sie immer eine Sauerstoffflasche dabei, die sie auf einem kleinen Wagen hinter sich herzieht - so kann jeder schon von Weitem sehen: Hier kommt ein krankes Mädchen.
Bei einer Sitzung ihrer Selbsthilfegruppe lernt sie Augustus kennen, der wegen Knochenkrebs ein Bein verloren hat. Die beiden treffen sich häufig. Sie werden ein Paar und teilen die Leidenschaft für einen bestimmten Roman, reisen sogar nach Amsterdam, um den Schriftsteller zu treffen. Doch leider ist das Schicksal in ihrem Fall wirklich ein mieser Verräter ...







Nun könnte man meinen, dieser Jugendroman sei bloß eine weitere Liebesgeschichte vor dem Hintergrund einer traurigen Wirklichkeit. Doch John Green hat viel mehr geschaffen als das. Er zeigt die Ängste, die Hoffnungen und Enttäuschungen sowie die Überlebensstrategien der einzelnen Figuren auf: der unheilbar kranken Jugendlichen, der Eltern, der Freunde aus besseren Tagen. Dies gelingt dem Bestseller-Autor auf bemerkenswerte Art und Weise.
Zwar folgt er dabei dem üblichen Aufbau eines klassischen Romans, wie man ihn auch aus Hollywood-Streifen kennt, doch dies nimmt man ihm nicht übel. Vielmehr ist es wohl genau diese Mischung, die Das Schicksal ist ein mieser Verräter zu einem wunderbaren, durchaus lustigen, doch unweigerlich traurigen Jugendroman und zu einer der beliebtesten Klassenlektüren der heutigen Zeit macht. Letzteres wird wohl durch das Erscheinen des Films (seit Sommer 2014 im Kino) boykottiert. Aber auch Klassenlektüren sollten nicht ewig die gleichen bleiben.
Das Buch zu lesen zahlt sich auf jeden Fall aus, denn während der Film (wie so oft) den Fokus auf die Liebesgeschichte der Protagonisten legt somit den Charakter eines schnulzig-traurigen Teenie-Films annimmt, ist die Romanvorlage von erfrischendem Humor geprägt.

John Green ist neben seiner Schriftstellerei ein fleißiger Blogger/Video-Logger ...

... und Twitterer.

Tatsächlich war Das Schicksal ist ein mieser Verräter dank eines Tweets des Erfolgsautors bereits vor dem Erscheinen ein Bestseller! Als Dank an die Vorbesteller versprach er jedem von ihnen ein Autogramm im Buch und signierte damit 150.000 Exemplare für seine Leser!

Besonders gefällt mir der youtube-Channel "Crash Course", bei dem John Green gemeinsam mit seinem Bruder kurze Videos über historische Themenbereiche postet: https://www.youtube.com/channel/UCX6b17PVsYBQ0ip5gyeme-Q



Dienstag, 11. November 2014

Das zweite Leben es Cassiel Roadnight


Jenny Valentine, dtv 2011


Quelle: www.dtv.de


In einer Notunterkunft in London wird ein obdachloser Teenager als Cassiel Roadnight identifiziert. Dieser ist seit beinahe zwei Jahren abgängig - weggelaufen, heißt es. Dass der Jugendliche in der Unterkunft gar nicht Cassiel ist, glaubt man ihm in der Euphorie nicht. Zu stark ist die Ähnlichkeit mit dem Foto in der Vermisstendatei. Man redet dem Betroffenen also gut zu, er brauche keine Angst zu haben, er könne den Betreuern vertrauen. Schließlich gewinnt der Gedanke an eine sich sorgende Familie, in die er "zurückkehren" könnte, immer mehr an Attraktivität. Eine richtige Familie hatte der Ich-Erzähler, der immer nur Chap genannt wurde, noch nie. Cassiels Lebens zu "stehlen" erscheint ihm plötzlich praktisch.









Ganz so einfach ist die Integration dann aber nicht. Fragen sollen beantwortet, Personen wiedererkannt werden. Zudem scheint Cassiels Mutter ein Drogen- oder Alkoholproblem zu haben und Cassiel selbst dürfte nicht gerade der netteste Sohn und Bruder gewesen sein. Zudem tun sich Geheimnisse auf, die Chap Rätsel aufgeben.

Das zweite Leben des Cassiel Roadnight ist ein packender Jugendroman, der den Leser in eine Situation mitnimmt, die einem selbst völlig neu ist. Wie täuscht man Familienmitgliedern vor, mit ihnen groß geworden zu sein? Wie umgeht man die Frage, warum man verschwunden ist? Und vor allem: Wie geht man damit um, dass man den wahren Grund des Verschwindens gar nicht kennt?

Auf dem Buchmarkt hat der Thriller ab 12 Jahren schon bei seinem Erscheinen Eindruck gemacht. So findet er sich 2011 nicht nur auf der Liste der "besten 7 Bücher für Jugendliche" des Deutschlandfunks, sondern ist im November Jugendbuch des Monats der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur. 2012 steht Cassiel Roadnight auch auf der Empfehlungsliste für den Katholischen Kinder- und Jugendliteraturpreis.

Für Lehrer gibt es im dtv-Lehrerportal auch ein Unterrichtsmodell für die 8. und 9. (in Österreich 4. und 5.) Klasse, doch mit der zentralen Frage der Identität sowie ethischen Fragestellungen, die sich aus dem Handlungsverlauf ergeben, werden auch ältere Jugendliche gut mit dem Roman arbeiten können.

Sonntag, 26. Oktober 2014

Ein Pflaster für den Zackenbarsch


Jens Rassmus, Residenz 2014


Quelle: www.residenzverlag.at


Seit "Findet Nemo" hat sich der Doktorfisch einen Platz in unseren Herzen erschwommen und nun ist ihm ein eigenes Buch gewidmet! Wer dabei aber an die verwirrte, vergessliche Dori und ihr Motto "Einfach schwimmen!" denkt, hat weit gefehlt, denn der Doktorfisch aus Jens Rassmus' Buch Ein Pflaster für den Zackenbarsch ist ein richtiger Arzt.



Mit seinem treuen Gefährten, dem Kofferfisch (seinem Arztkoffer sozusagen), ist er durch die Meere und sogar darüber hinaus unterwegs, um Wehwehchen aller Art zu kurieren. Dabei muss er schon mal einer Krake erklären, dass ein Knochenbruch bei einem Weichtier gar nicht möglich ist, tiiiiief in einen Patienten vordringen, um die Ursache seiner Bauchschmerzen zu finden, oder weinend zur kranken Süßwasserforelle schwimmen.







Neben den lustigen Geschichten, die doch auch irgendwie lehrreich sein können, finden sich in diesem Buch wunderschöne Illustrationen, in beruhigenden Farben, die nicht nach Computergrafik, sondern nach gemalten Bildern aussehen.

Ein Pflaster für den Zackenbarsch ist ein wunderbares Buch, und das nicht nur für Kinder! Daraus kann man auch schon mal bei einem lustigen Abend mit Freunden vorlesen und gemeinsam über absurde Unterwasser-Situationen wie das Silvester-Raclette der Krakenfamilie lachen.

Hier geht's zum Buch auf www.residenzverlag.at!

Montag, 13. Oktober 2014

6 Uhr 41

Jean-Philippe Blondel, Deuticke 2014


 
Quelle: Hanser-Literaturverlage.de




Cécile Duffaut und Philippe Leduc. Sie waren einmal ein Paar, aber das war erstens nur von kurzer Dauer und ist zweitens inzwischen siebenundzwanzig Jahre her. Nun begegnen sie sich wieder und zwar - für sie völlig unerwartet, doch für den Leser ob des aussagekräftigen Titels vorhersehbar - im Zug. Während die eineinhalbstündige Fahrt nach Paris verstreicht, monologisieren beide gedanklich dahin, philosophieren über das Leben, das sie bereits gelebt haben, und wagen dabei (anders als der Klappentext vermuten lässt) kaum darüber nachzudenken, was denn nun gewesen wäre, wenn ...








Generell verspricht der Klappentext so einiges, was er meiner Ansicht nach nicht hält, zum Beispiel "eine wunderbare Komödie, in der wir uns alle wiederfinden". Ich konnte mich zwar schon darin wiederfinden, allerdings muss ich mir die Frage stellen, ob ich vielleicht mit neunundzwanzig Jahren zu jung für dieses Buch bin. Die Gedanken der Figuren und das Nachsinnen über den Verlauf des eigenen Lebens kann ich zwar gut nachvollziehen, allerdings hat es mich kaum unterhalten und eine "wunderbare Komödie" ist das Buch in meinen Augen schon gar nicht. Vielmehr tröpfelt es eben so dahin und schildert dabei sogar noch weitgehend bedrückende Erlebnisse im Leben der beiden Ich-Erzähler. Auch der Hinweis auf die Erinnerungen daran, "wie verliebt sie vor fast dreißig Jahren waren, als sie zusammen ein romantisches Wochenende in London verbringen wollten, und dort alles aus den Fugen geriet ..." lässt den Roman lebendiger erscheinen, als er ist.
"Und wer einmal eingestiegen ist, der will es wissen: [...]", wird aber enttäuscht, denn zum einen bietet das (vielleicht) offene Ende nicht wirklich eine Auflösung, zum anderen habe ich mir schon die ganze Zugfahrt lang gedacht: "Du wirst doch nicht so dumm sein ..." und "Blondel wird doch nicht so kitschig sein ...". Im Übrigen wollte ich es auch gar nicht so dringend wissen, wie der Klappentext es mir vorausgesagt hatte, denn obwohl das Thema mich an sich anspricht, hat mich der Roman nicht gepackt und ich musste mich zwingen, ihn auszulesen, denn mehr als "ganz nett" ist er in meinen Augen nicht. Vielleicht in zehn Jahren ...

Dienstag, 23. September 2014

Djihad Paradise

Anna Kuschnarowa, Beltz & Gelberg 2013


Quelle: www.beltz.de






Romera und Julian. Zwei Liebende aus Familien, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Julian lebt allein mit seinem arbeitslosen Vater in einer verwahrlosten Wohnung, Romera entstammt einer wohlhabenden Familie und hat einiges auf der hohen Kante. Neu ist dieses Konzept nicht, auf mich wirkt es sogar abgedroschen. Dazu kommt noch die "Berliner Jugendsprache", die das Ganze wohl für jugendliche Leser ansprechender machen soll. Nach einigen Seiten ging es mir schon auf die Nerven. Trotz meiner Überzeugung, dass man ein Buch nicht zu Ende lesen muss, habe ich es nicht aufgegeben, denn inhaltlich hat Djihad Paradise einiges zu bieten.





Aus wechselnder Erzählperspektive wird die Liebes- und Glaubensgeschichte zweier deutscher Teenager erzählt. Anna Kuschnarowa lässt die beiden Jugendlichen mit den klingenden Namen in einem Einkaufszentrum aufeinander treffen und auf ihre gemeinsame Vergangenheit zurück blicken. Das Besondere daran: Julian trägt einen Sprengstoffgürtel und ist offenbar dazu bereit, sich selbst und die Menschen um sich herum im Zeichen des Djihad in den Tod zu schicken. Die Erinnerungen der ehemals Liebenden rekonstruieren eine Geschichte, in der sich zwei junge Menschen von ihren Familien ab- und einer neuen Religion - dem Islam - zuwenden.
Julian, der beim Drogendealen erwischt wird und hinter Gitter wandert, lernt im Gefängnis den konservativ gläubigen Moslem Murat kennen, der ihn mit seinem Glauben an Allah und die Gesetze des Islam ansteckt. Wieder in Freiheit wohnen die beiden zusammen und Murat führt Julian in eine fundamentalistische Salafistengemeinde ein. Erst ist Romera gegen das Ganze, doch nach einiger Zeit wird auch sie gläubige Muslima. In einer Notsituation flüchten sie in die Moschee und finden dort Zuflucht, bis Julian und Murat zur Märtyrer-Ausbildung nach Ägypten geschickt werden und Romera die Gemeinschaft verlässt.

Für mich ist es schwer vorstellbar, dass beide - Julian und Romera - nach nur einer meditativen Gebetserfahrung von einer neuen Religion so verzaubert sind, dass sie alles über sie erfahren und ihr ihr Leben widmen wollen. Noch dazu, wenn sie sich doch zu Beginn noch dagegen sträuben. Ich unterrichte Religion und bin sehr für die Akzeptanz zwischen Islam und Christentum. Stellenweise war ich mir beim Lesen nicht sicher, ob nicht ein Bild gezeichnet wird, in dem der Islam sozusagen als "Kinderfänger" dargestellt wird, schließlich weiß man von Beginn an, wohin die Gemeinschaft Julian führt. Allerdings wird auch deutlich, dass es sich bei der Gemeinde, in die die Teenager, die religiös bisher nicht verwurzelt waren, hineingeraten, um eine fundamentalistische Gruppierung handelt, die terroristische Angriffe nicht verurteilt und sogar den Kontakt zur Terrorgruppe in Ägypten herstellt. Als Romera die Gemeinschaft verlässt, wendet sie sich außerdem nicht vom Islam ab, sondern findet ihre religiöse Heimat in einer Gruppe gemäßigter junger Muslime, die die Salafistengemeinde scharf kritisieren. Der Leser erkennt: Muslime sind nicht gleich Muslime.

Derzeit ist die Terrorgruppe Islamischer Staat in allen Medien präsent. Vergleicht man den Werdegang des jungen Julian in Djihad Paradise mit dem, was man von Experten über die Anwerbung von Kämpfern für den "heiligen Krieg" erfährt, wird klar, dass Anna Kuschnarowa ihren Roman durchaus realistisch konzipiert hat. Nach der Lektüre bleibt der Eindruck, dass dies ist nicht nur eine x-beliebige, erfundene Story ist, sondern heute so, oder so ähnlich, in Frankreich, Deutschland, Österreich passiert.

Sonntag, 21. September 2014

tschick

Wolfgang Herrndorf, Rowohlt 2012


www.rowohlt.de





Tschick ist ein Jugendroman, der mir in einigen Empfehlungen für den Literaturunterricht begegnet ist und der - so glaube ich - mal ein Buch ist, das jungen Menschen wieder Lust auf's Lesen macht. Und: 2014 halte ich die unglaubliche 29. Auflage des erst 2012 erschienenen Romans in Händen.














Endlich Sommerferien! Vor Maik Klingenberg liegt eine Zeit, die nur ihm gehört: sturmfrei! Doch so problemlos wie das klingt, ist es nicht. Sein Vater fährt auf eine angebliche Geschäftsreise mit seiner Assistentin, doch Maik weiß, dass die beiden ein Verhältnis haben. Die Mutter ist (wieder einmal) in einer Entzugsklinik. Dass diese traurigen Umstände im Buch fast etwas unterzugehen scheinen, liegt wohl daran, dass Maik die Wahrheit zwar kennt, sie aber beiseite schiebt.
Die elternfreie Zeit will der 14-Jährige eigentlich mit Computerspielen und Alleinsein zubringen. Doch dann fährt sein aufdringlicher russischer Mitschüler Andrej Tschichatschov, kurz Tschick genannt, mit einem gestohlenen Auto vor. Noch dazu handelt es sich dabei um das wohl auffälligste Gefährt weit und breit: einen hellblauen Lada. Tschick überredet Maik erst zu einer Spritztour, dann zu einem Urlaub in ebendiesem Wagen. Und schon beginnt ein Abenteuer, das einem die Lachtränen in die Augen treibt, denn die beiden Schüler treffen auf ihrer Reise zu Tschicks Verwandten in der Walachei auf skurrile Persönlichkeiten, die ihnen aber (meistens) freundlich begegnen.
Hinter dem skurrilen, gut gelaunten Sommertrip liegt jedoch ein harter Alltag, den der Leser erahnen kann, als Maiks Vater seinen Sohn dazu drängt, in einer Verhandlung der Vorfälle seine neu gewonnenen Freund Tschick - dem Russen, dem Bruder eines Kriminellen, dem schon einmal auffällig Gewordenen - allein die Schuld zu geben.

Besonders liebenswert erscheinen die beiden Protagonisten, weil Wolfgang Herrndorf darauf verzichtet, seine "Helden" zu coolen, frühreifen Vorbildern zu machen, sondern sie trotz ihres wilden Trips doch auch noch Kinder sein lässt. So übt Maik auf einer Wiese das Autofahren und Tschick klebt sich schwarzes Klebeband auf die Oberlippe, um beim Fahren nicht als 14-jähriger Teenager erkannt zu werden.

Auch sprachlich schafft Herrndorf einen Balanceakt, denn die Dialoge sind weit im jugendsprachlichen Feld anzusiedeln und bleiben trotzdem authentisch - für mich als fast dreißigjährige Lehrerin zumindest. Bei der Lektüre in der Schule ist das wohl nicht für jeden ganz einfach, denn da wird einem das f*-Wort in allen deutschen und englischen Varianten nur so um die Ohren gehauen. Das kann auch zu Gesprächen über die Umgangssprache unter Jugendlichen anregen. Besonders lustig: Manche Passagen mit den Schülern gemeinsam, also laut, lesen. Da bleibt kaum ein Auge trocken.


Mittwoch, 13. August 2014

Erebos


 Ursula Poznanski, Loewe Verlag 2010


Quelle: www.loewe-verlag.de




"Erebos ist ein Spiel.
Es beobachtet dich,
es spricht mit dir,
es belohnt dich,
es prüft dich,
es droht dir.

Erebos hat ein Ziel:
Es will töten."

(Klappentext)









An der Schule des Teenagers Nick Dunmore geht Rätselhaftes vor sich. Sein Freund Colin ist plötzlich kaum noch zu erreichen, versäumt den Unterricht und das Basketball-Training, reagiert abweisend auf Nick und ist verdächtig unterwürfig den eigentlichen Außenseitern gegenüber. Und Colin ist nicht der einzige Schüler, der sich so verhält. Dazu kommt, dass regelmäßig quadratische Päckchen - CDs oder DVDs - unter den Jugendlichen weitergegeben werden, über die nicht gesprochen wird. Diese Geheimnistuerei stößt Nick sauer auf ... bis er selbst ein solches Päckchen angeboten bekommt. Erebos.

Gemeinsam mit Nick und seinem Charakter Sarius taucht der Leser ein in die Welt von Erebos, einem Fantasy-Rollenspiel, das die Spieler sofort in seinen Bann zieht. Das Besondere daran: Das Spiel selbst kommuniziert durch die Figur eines unheimlichen Boten mit Nick und erteilt ihm Aufträge, die über die fiktive Welt hinausgehen. Die Logik der Aufträge ist dem Teenager dabei meist nicht klar: Ein geheimnisvolles Objekt von A nach B transportieren, einen völlig Fremden fotografieren, ... Doch je länger das Spiel im Umlauf ist, umso fragwürdigere Dinge spielen sich in Nicks Schule ab und umso mehr verlangt der Bote.

Die österreichische Jugendbuchautorin Ursula Poznanski hat in ihrem Erstlingswerk eine Story erschaffen, in die man als Leser geradezu hineinfällt. Die fantastische Welt von Erebos, die man über Nick betritt und in der man Sarius' Abenteuer miterlebt, trägt dazu maßgeblich bei. Auch für Nicht-Spieler wird die Faszination, die Nick und seine Mitschüler in ihren Bann zieht, plötzlich nachvollziehbar. Unwillkürlich stellt man sich selbst die Frage: Was würde ich tun, um im Spiel zu bleiben?

Auf fast 500 Seiten reißt die Spannung nicht ab, bis zum Schluss kann dieser Roman überraschen. Nicht ohne Grund ist Erebos derzeit eines der beliebtesten Bücher unter Schülern. Potentielle Klassenlektüre? Ich würde davon abraten, den Schülern das Buch eher für die Privatlektüre empfehlen. Dann wird es sich - wie das Spiel - ganz von selbst verbreiten.